Leutewitzer Stauweiher

Die BUND-Regionalgruppe Meißen lud am 15.06.2019 zu einer Exkursion in die „Lommatzscher Pflege“ ein.

Am Start in Leutewitz trafen sich – trotz persönlicher und öffentlicher Einladung leider nur 3 Mitglieder der BUND-Gruppe und ein Landwirt. Das mag u.a. dem strahlenden Badewetter geschuldet gewesen sein, das nicht unbedingt zum Wandern einlud…

und so nahm unser jüngster Teilnehmer auch gleich ein Bad im Leutewitzer Stauweiher, der allerdings auf Grund

der dort betriebenen Fischzucht reichlich überdüngt und bei fortschreitender Sommerhitze wahrscheinlich vom „Umkippen“ bedroht ist.

Die Wanderung führte durch das Tal des Käbschützbaches auf der ehemaligen Kleinbahntrasse.

Der Ufersaum des Baches ist in diesem Bereich mit mannshohen Brennnesseln zugewuchert.

Über einen schattigen Waldweg, der rechts von steilen, Hängen mit überwachsenen Steinbrüchen begrenzt ist

und links Durchblicke in die Feldflur gewährt, erreichten wir den ehemaligen Bahnhof Käbschütz.

Herr Eckelmann, ehemals Leiter der Leutewitzer Saatzucht, konnte uns viel über den Steinabbau, der mit der Industrialisierung um 1830 begann, erzählen.

Die Steine wurden zum Bau der so genannten Rübenbahn von Garsebach nach Lommatzsch verwendet. Wie der Name sagt, wurden hier vor allem landwirt-schaftliche Produkte, aber auch Personen befördert.

Wildromantische Einblicke eröffnen sich immer wieder zu überwucherten Steinbrüchen.

Die Wiesen auf der rechten Seite des Weges sind allerdings recht artenarm. Hier sieht man außer Gräsern bestenfalls Brennnesseln und Ampfer.

Auf unsere Frage nennt Herr Eckelmann mehrere Ursachen. Neben der Bodenbeschaffenheit ist es vor allem die Bewirtschaf-tungsweise: Wenn man die Wiesen mäht, bevor die Kräuter blühen und aussamen, können sie sich natürlich nicht vermehren. Das Gras ist aber zu diesem Zeitpunkt am energiereichsten. Eine späte Mahd, wie sie vom Naturschutz gewünscht wird, bringt auch noch nutzbares Futter, das vor allem als Rauhfutter der Tiergesundheit dient. Hier wäre es gut, wenn man die Wiesenbewirtschaftung mit einer extensiven Viehhaltung in Einklang bringt und nebenbei damit hochwertiges Fleisch erzeugt.

Auch Mühlen nutzten in der Vergangenheit das Wasser des Käbschützbaches. Hier der alte Mühlenspeicher bei Großkagen.

Unser Weg wurde zunehmend unzugänglicher. Der Wanderweg ist auf einer Strecke von 1 km nahezu zugewuchert und wir mussten uns durch hohes Gras, Klettenlabkraut und Brennnesseln kämpfen.

Schöne Durchblicke gab es immer wieder in die angrenzende Feldflur.

Erst als wir zu den Trockenhängen bei Zöthain kamen, wurde der Weg wieder besser begehbar.

Hier gibt es auch eine schöne Streuobstwiese mit Nachpflanzungen- Wann werden wir das Obst wieder nutzen?

Auf den Wiesen wachsen auf Grund der Nährstoffarmut viele Arten: Wiesenlabkraut, großer Natterkopf, Pechnelke und Wiesensalbei sind unter anderem zu finden.

In Zöthain angekommen endet der Wanderweg entlang der Bahntrasse. Wir wanderten weiter in Richtung Mertitz.

Hier machten wir noch einen Abstecher zum Schutzacker für Ackerwildkräuter unweit der Gabelstelle Mertitz. Die Feldflur heißt „Backofen“ und macht an diesem Tag ihrem Namen alle Ehre.

Auf dem dem vom BUND betreuten Feld wachsen seit mehr als 20 Jahren die Ackerwildkräuter, die in der modernen Landwirtschaft keine Chance mehr haben: Mohn, Kornblume, Kornrade, Feldrittersporn stehen gerade in voller Blüte.

Nach einer 4-stündigen Wanderung sind wir einmal mehr eingenommen von der immer noch vorhandenen Schönheit der Lommatzscher Pflege. Auf Grund der topografischen Vielfalt gibt es hier immer noch Landschaften, die sehr vielfältig sind und zum Wandern und Erholen einladen. Aber diese Inseln sind durch die industrielle Landwirtschaft zunehmend bedroht.

Die moderne industrielle Landwirtschaft untergräbt aber zunehmend auch ihre eigenen Existenzbedingungen. So wies unser sachkundiger Landwirt, Herr Eckelmann z.B. darauf hin, dass die Erträge in den letzten Jahren nicht mehr gestiegen sind. Dem Boden wurde außer mineralischem Dünger aber auch kaum noch humusbildende Substanz zugeführt- und das beeinträchtigt die Bodenstabilität, die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit, die Bodenfruchtbarkeit insgesamt. Die immer engeren Fruchtfolgen, der Einsatz von Pestiziden u.v.a. tragen dazu bei, die Artenvielfalt zu verringern, das Grundwasser zu belasten und den Energieeinsatz zu vergrößern.