am Pechfluss bei Medingen

Am 18. Juni 2021 trafen wir (6 BUND-Mitglieder) uns in Großdittmannsdorf mit Matthias Schrack, dem dortigen
NABU-Fachgruppenleiter Ornitologie, um die besonderen Waldmoor-Biotope der Radeburger und Laußnitzer
Heide kennenzulernen.


Es war ein drückend heißer Sommertag, aber als wir gegen 17:30 Uhr unsere Wanderung bei Medingen starteten, empfing uns der Wald mit kühlendem Schatten.

Zunächst ging es entlang des Pechflusses, dessen Name auf
die Gewinnung von Pech aus Kiefernharz zurückzuführen ist. Er diente ab 1818 mit zahlreichen Gräben zur
Entwässerung des Waldes. Die intensive und ungeregelte Holznutzung im 18. u. 19. Jahrhundert hatte zu
einem starken Rückgang des Laubwaldbestandes geführt. Erst ab 1811 wurde auf Betreiben Heinrich Cottas mit der Wiederaufforstung des Geländes hauptsächlich mit Kiefern und Fichten begonnen. Noch sind die regelmäßigen Schläge des Altersklassenwaldes vorherrschend, aber der Umbau des Waldes ist im Gang und wird vom Freistaat und den örtlichen Naturschützern tatkräftig gefördert. Dabei spielt das Wasser eine entscheidende Rolle.

Unsere erste Begegnung mit diesem Element war ein Versumpfungsmoor, das genau wie die Tieflands-
Kiefern-Fichtenwälder hier seine südwestliche Verbreitungsgrenze erreicht. Ins Auge fielen Wollgrasbestände
und zahlreiche Libellen. Matthias Schrack machte uns auf höhlenreiche Altholzinseln und den Ruf der Rotbauchunke aufmerksam.

Seine Erläuterungen reichten von der Geomorphologie über die Voraussetzungen zur Moorbildung bis zum Zusammenspiel von Pflanzen und Tieren. Hier können nur einige Beispiele angeführt werden: Es gibt ausgedehnte Sonnentaubestände, 16 verschiedene Torfmoosarten, über 40 Libellenarten, aber auch Gimpel und Mönchsgrasmücke waren zu hören und der seltene Schwarzstorch nistet hier. Immer wieder machte uns M. Schrack auf das Zusammenspiel von Boden und Pflanzen
aufmerksam. Charakteristisch für die Moorvegetation ist ein saurer nährstoffarmer Boden.


Auf schmalen Waldpfaden ging es weiter bis zu einem Quellbereich in dessen Umgebung ein Moor revitalisiert wird.

Hier kann man die Moorbildung hautnah erleben. Durch den Bau von 60 Dämmen unter Anleitung von M. Schrack konnte in den letzten Jahren der Abfluss des Wassers vermindert und so die Moorbildung wieder in Gang gesetzt werden: Torfmoos und andere torfbildende Pflanzen breiten sich wieder aus und führen durch die ständige Überflutung zur Moorrevitalisierung.

Auch der umgebende Wald profitiert von der Grundwasseranhebung. Während anderenorts die Wälder unter der Klimaerwärmung leiden, sieht man hier neben absterbenden Kiefern einen frischen Fichten-Laubholzwald heranwachsen.

Zehn Prozent des Staatswaldes sollen auf diese Weise einer natürlichen Entwicklung überlassen werden, was durch die Wasserrückhaltung in der Fläche wohl auch gelingen kann.

Gleichzeitig wird in den wachsenden Moorflächen Kohlendioxid gespeichert und mit dem Waldwachstum ein wesentlicher Beitrag zur Klimastabilisierung geleistet. Die Pläne zum großflächigen Kiesabbau in dieser Region stehen diesen Zielen allerdings diametral entgegen und müssen unbedingt verhindert werden.

Christiane Bense, BUND-Regionalgruppe Meißen